Buch-Review: Selbstbetrachtungen - Mark Aurel

Meine Buch-Review zu: Selbstbetrachtungen von Marc Aurel!

Der römische Kaiser Mark Aurel, oder auch Marcus Aurelius, hatte zwischen 161 n. Chr. und 180 n. Chr. das höchste Amt im römischen Reich inne. Dabei folgte er auf seinen Adoptivvater, Kaiser Antoninus Pius, und nannte sich daher auch selbst Marcus Aurelius Antoninus Augustus.

Politisch trieb Mark Aurel in seiner Kaiserzeit vor allem die innere und äußere Stabilisierung des römischen Reiches voran. Denn nach einer längeren Friedensphase musste er das Reich an mehreren Fronten gegen Feinde verteidigen. Zudem gab es in der Kaiserzeit von Mark Aurel verschiedene weitere Herausforderungen, wie Epidemien und Naturkatastrophen, die er bewältigen musste.

Heute ist Mark Aurel allerdings nicht nur oder vielleicht sogar gar nicht mehr wirklich als römischer Kaiser bekannt. Vielmehr gilt er – neben Seneca und Epiktet – als einer der bedeutendsten Stoiker der Geschichte. Den Titel des „Philosophenkaiser“ erhielt er von der Nachwelt vor allem als Reaktion auf die „Selbstbetrachtungen„.

Dabei handelt es sich um eine Zusammenstellung von zwölf Büchern, die Mark Aurel vorwiegend zum Ende seines Lebens in Feldlagern – eigentlich nur für sich selbst – verfasst hat. Heute zählt das Buch „Selbstbetrachtungen“ teilweise zur Weltliteratur und wurde daher auch Mitte 2022 mit den Kommentaren von Robin Waterfield im Finanzbuch Verlag neu aufgelegt.

Herausgeber: Robin Waterfield

Der britische Gelehrte Robin Waterfield hat sich auf altgriechische Philosophie und Geschichte spezialisiert und lebt heute selbst in Griechenland. Zuvor lehrte er als Dozent sowohl an der St. Andrews University in Schottland als auch an der Newcastle University in England.

Außerdem hat Robin Waterfield eine Vielzahl von altgriechischen Texten übersetzt. Dazu zählen unter anderem die Bücher von Aristoteles, Epikur, Plato, Plutarch und Xenophon. Beim Buch von Mark Aurel hat Robin Waterfield jedoch nicht nur die Übersetzung vorgenommen, sondern auch eigene Kommentare hinzugefügt und eine umfassende Einführung geschrieben.

Wie gut Letztere ist, zeigt bereits ein Zitat des US-amerikanischen Philosophen Massimo Pigliucci, welches das Cover der deutschen Ausgabe der „Selbstbetrachtungen“ von Mark Aurel im Finanzbuch Verlag ziert: „Brauchen wir wirklich noch eine Übersetzung von Mark Aurel? Ja! Allein die Einleitung lohnt die Anschaffung.

Inhalt: Stoische Weisheiten & tiefgründige Selbstreflektion aufgeteilt in 12 Bücher

Dem Zitat auf dem Cover der „Selbstbetrachtungen“ von Mark Aurel stimme ich auf jeden Fall zu. Denn ähnlich, wie bei den Büchern „Die Kunst des Krieges“ und „Das Buch der fünf Ringe“ lohnt sich auch das Lesen dieser Ausgabe der „Selbstbetrachtungen“ aus dem Finanzbuch Verlag allein aufgrund der Einführung des Herausgebers. Während Thomas Clearly die beiden oben genannten Bücher aus dem Anaconda Verlag mit seinen spannenden Einblicken in die damalige Zeit aufwertet, tut Robin Waterfield bei den „Selbstbetrachtungen“ von Mark Aurel genau dasselbe.

Insgesamt schreibt Robin Waterfield auf etwa 50 Seiten über Mark Aurels Weg zum Kaiserthron und die Herausforderungen während seiner Regierungszeit. Zudem erklärt er, was für ein Buch die Selbstbetrachtungen sind und wie die Selbstbetrachtungen zu uns und zu ihrem Namen gekommen sind. Darüber hinaus geht Robin Waterfield auch auf den Stil der Selbstbetrachtungen und intensiv auf den Stoizismus als grundlegende Philosophie von Mark Aurel ein. Damit haben Leser und Leserinnen der „Selbstbetrachtungen“ bereits vorab eine gute Grundlage, was die Philosophie und die Geschichte sowie auch das Leben von Mark Aurel angeht.

Die Fähigkeit zur Vernunft kann uns helfen, einen Weg durchs Leben zu finden, der uns zum Glück führt.“ – Mark Aurel

Bereits über der Einführung von Robin Waterfield könnte ich an dieser Stelle noch viel mehr schreiben. Doch in dieser Buch-Review soll es vor allem um die „Selbstbetrachtungen“ von Mark Aurel an sich gehen. Dazu schreibt der Herausgeber Folgendes: „Das Buch konzentriert sich fast ausschließlich auf sein Innenleben, und das verleiht ihm eine unglaubliche Intensität. […] Das Buch ist genau das, was es zu sein scheint: ein unglaublich privates Tagebuch, geschrieben zu dem Zweck, sich selbst zu erforschen und zu verbessern.

Damit trifft Robin Waterfield den Kern der „Selbstbetrachtungen“ meinen Erfahrungen nach sehr gut. Denn in den zwölf Büchern, aus denen die „Selbstbetrachtungen“ von Mark Aurel bestehen, schreibt der römische Kaiser kaum über das Weltgeschehen und über konkrete politische oder private Ereignisse. Vielmehr spürt man förmlich, wie sich Mark Aurel immer wieder an seine Lebensgrundsätze erinnert und sich auf die Reise in seine Innenwelt begibt.

In jeder Situation des Lebens geht es darum, ob wir das Beste aus dem gegenwärtigen Augenblick machen.“ – Mark Aurel

Durch diese Einblicke in das Innenleben von Mark Aurel entsteht eine unglaubliche Tiefe, die mich beim Lesen zunächst überrascht, dann aber nur noch begeistert und inspiriert hat. Das Maß an Selbstreflektion und Disziplin ist für mich persönlich sehr bewundernswert und so hat man beim Lesen das Gefühl, einer großen Persönlichkeit direkt in den Kopf und das Herz schauen zu können.

Dies ist beim ersten Buch noch nicht ganz so stark zu erkennen, wie bei den darauffolgenden. Denn im ersten Buch der „Selbstbetrachtungen“ beschreibt Mark Aurel die Dinge, die er von anderen Menschen in seinem Leben gelernt hat. Ab dem zweiten Buch der „Selbstbetrachtungen“ wird es dagegen deutlich intensiver und philosophischer. Wie für einen Stoiker üblich, verliert Mark Aurel bei aller Philosophie jedoch nie den Bezug zur Realität, dem Alltag und der praktischen Umsetzung.

Alles, was Du zu tun hast, ist, Deine Erfahrungen willkommen zu heißen.“ – Mark Aurel

Obwohl in manchen Büchern einige Themen intensiver besprochen und häufiger wiederzufinden sind als in anderen, kann man den einzelnen Büchern im Grunde keine Überschriften geben. Denn Mark Aurel springt in den „Selbstbetrachtungen“ immer wieder zwischen den zentralen stoischen Themen und Themen, die ihn persönlich beschäftigen hin und her. Während sich einige Gedanken über alle Bücher wiederholen, gibt es auch immer wieder neue Sichtweisen und Impulse, bei denen man länger innehalten sollte.

Gerade deshalb sind auch die Kommentare von Robin Waterfield, die im Text mit Fußnoten vermerkt und unten auf den Seiten zu finden sind, überaus wertvoll und hilfreich. Dabei beschreibt der Herausgeber an manchen Stellen seine Übersetzungen oder einzelne Worte, während er an anderen Stellen Interpretationsansätze liefert oder geschichtliche Einordnungen vornimmt. All das trägt zum besseren Verständnis der „Selbstbetrachtungen“ von Mark Aurel bei.

Keine abstrakten Diskussionen mehr darüber, was ein guter Mensch ist: Sei einfach einer!“ – Mark Aurel

Über alle zwölf Bücher der „Selbstbetrachtungen“ merkt man eindeutig, wie wichtig Mark Aurel die stoische Tugendhaftigkeit ist. Als Abgrenzung zur Philosophie von Epikur (dem Epikureismus) war der römische Kaiser davon überzeugt, dass geistiger Frieden und innere Ruhe im richtigen Umgang mit der Welt begründet sind. Daher ermahnte er sich immer wieder selbst zur Tugendhaftigkeit und dazu, ein guter Mensch zu sein, der vor allem im Sinne des Gemeinwohls handelt.

Dabei war er überzeugt von der Erkenntnis, dass alle Gedanken und Gefühle, die die innere Ruhe stören, vom eigenen Geist geschaffen werden und daher auch von ihm aufgelöst werden können. Somit war die Philosophie für Mark Aurel ein Weg der Selbsterforschung, der Ermahnung zum Besseren und letztlich auch der Selbstverbesserung – was Du größtenteils auch in meinen Learnings und Handlungsaufforderungen widerfinden wirst.

Wenn es um das Schreiben und das Leben geht, kannst Du kein Führer sein, wenn Du nicht vorher Schüler warst.“ – Mark Aurel

Somit sind die „Selbstbetrachtungen“ von Mark Aurel ein großartiges Buch mit vielen wertvollen Erkenntnissen. Dieses wird durch die Kommentare und die Einführung von Robin Waterfield ideal ergänzt, sodass Du auf etwa 300 Seiten einiges über die Außenwelt und noch eine ganze Menge mehr über die Innenwelt von Mark Aurel lernen wirst. Diese Impulse und Denkanstöße werden Dir aufgrund des hohen Praxisbezugs der stoischen Philosophie auch in der heutigen Welt extrem weiterhelfen können.

Meine 5 Learnings

  1. Wenn Du Dir den Aktivitäten in Deiner eigenen Seele nicht bewusst bist, kannst Du nur unglücklich sein.
    • Glück ist eine sinnvolle Verwendung Deines Geistes, gute Impulse und gute Taten.
      • Da jedoch jeder andere Überzeugungen von Gut und Böse hat, machen unterschiedliche Dinge unterschiedliche Menschen glücklich.
  2. Es gibt keine friedlichere und ungestörtere Zuflucht als den menschlichen Geist.
    • Du kannst Dich, wann immer Du willst, in Dich selbst zurückziehen – und brauchst keine Rückzugsorte außerhalb Deines Geistes.
  3. An sich haben die Dinge der Welt keine Auswirkung auf den Geist – denn das Einzige, was den Geist verändert und bewegt, ist der Geist selbst.
    • Dein Geist wird immer mehr den häufig wiederholten Gedanken ähneln, weil er deren Färbung annimmt.
    • Alle Dinge, die Dich belasten, liegen nicht außerhalb Deiner selbst, sondern in Deinen Überzeugungen.
      • Du kannst so viele überflüssige Sorgen ablegen, die letztlich auf Deinen Überzeugungen beruhen, und schon hast Du sehr viel mehr geistigen Raum.
  4. Gefühle werden von Meinungen oder Urteilen verursacht – verzichte auf das Urteil und Du löst keine Gefühle aus.
    • Wenn Du Erfahrungen nicht als schlecht bewertest, bist Du immun gegen Schaden.
  5. Jede Erfahrung, die Leid verursachen könnte, kann für Dich Glück statt Pech bedeuten, wenn Du sie tapfer erträgst.
    • Denn was als Nächstes kommt, hängt immer mit dem zusammen, was ihm vorausging.

Meine 5 Handlungsaufforderungen

  1. Prüfe immer wieder Deine eigenen Überzeugungen, da Dein Handeln von diesen abhängt!
    • Untersuche und beschreibe dazu jeden Eindruck, der sich in Deinem Geist ergibt so genau wie möglich!
  2. Versuche weder andere Menschen zu beeindrucken, noch sie aktiv zu einem Lebenswandel zu veranlassen, sondern gehe einfach als Vorbild mit gutem Beispiel voran!
    • Stelle weder Deine Erfolge oder Mittel, noch Deine Fähigkeiten oder Dein Wissen zur Schau!
    • Vergeude nicht Dein Leben damit, dass Du über andere Menschen und deren Meinungen nachdenkst!
    • Sei einfach ein guter Mensch, während Du lebst – solange Du noch kannst!
  3. Sieh Dir die Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln und Gesichtspunkten an und rege Dich nicht auf!
    • Lies stets aufmerksam, gib Dich nicht mit dem oberflächlichen Verständnis eines Themas zufrieden und stimme niemals oberflächlichen Sichtweisen bereitwillig zu!
    • Gebrauche Deine Vernunft, um zwischen den vielen gleichgültigen Dingen im Leben eine Auswahl zu treffen, um zu erkennen, welchen der Vorrang zu geben und welche auszusortieren sind!
  4. Sei jederzeit bereit, Deine Meinung zu ändern, wenn Dir jemand nachweist, dass Du Unrecht hattest!
    • Mache Dir die Wahrheit zum Ziel und bedenke stets, dass nur derjenige Schaden erleidet, der an seinem Irrtum und seiner Unwissenheit festhält!
    • Vergiss dabei auch nicht, dass weder das Ändern Deiner Meinung noch die Tatsache, dass jemand Dich eines Besseren belehrt, Deine Selbstbestimmung beeinträchtigen kann!
      • Mache Dir bewusst, dass es schließlich Dein Werk ist, das Ergebnis Deines Impulses und Deines Urteils und damit das Deines eigenen Geistes!
  5. Führe jede Handlung so aus, als wäre sie die letzte Deines Lebens und Du wirst frei von jeder störenden Ablenkung und jeder hinderlichen Leidenschaft!
    • Orientiere Dich generell in allem, was Du tust, aber auch sagst und denkst, an der Möglichkeit, Deines bevorstehenden Ablebens!

Fazit: Inspirierende Einblicke in die Innenwelt des Philosophenkaisers & Stoikers Mark Aurel

Die „Selbstbetrachtungen“ sind eine Zusammenstellung aus zwölf kurzen Büchern, in denen der römische Kaiser Mark Aurel sowohl seine Gedanken und Gefühle als auch seine Prinzipien und Erkenntnisse niedergeschrieben hat. Diese tagebuchähnlichen Einträge handeln also nicht von politischen oder privaten Ereignissen im Leben des Philosophenkaisers, sondern von dessen Innenwelt, die in erster Linie stoisch geprägt war.

Besonders inspirierend ist dabei die Tiefe, die Mark Aurel in den „Selbstbetrachtungen“ erzeugt. Zugleich finden sich neben vielen philosophischen Gedanken auch jede Menge praktischer Impulse, wie man dies von großen Stoikern – zu denen Mark Aurel ebenfalls zählt – bereits kennt. Die meisten seiner Weisheiten und Ermahnungen an sich selbst haben auch heute noch maximale Relevanz und können auch Dich sicher weiterbringen.

Damit Du möglichst viele Impulse aus den „Selbstbetrachtungen“ mitnehmen kannst, finden sich in dieser Version aus dem Finanzbuch Verlag unzählige Anmerkungen und Kommentare des Herausgebers Robin Waterfield. Dieser hat außerdem eine 50-seitige Einführung vor die etwa 250 Seiten der „Selbstbetrachtungen“ gestellt, damit die Leser und Leserinnen genügend Hintergründe zum Leben von Mark Aurel haben.

Somit ist diese Ausgabe der „Selbstbetrachtungen“ von Mark Aurel mit den Kommentaren und der Einführung von Robin Waterfield ein rundum gelungenes Buch, das aus meiner Sicht jeder einmal gelesen habe sollte. – Demnach kann ich das Buch im Bereich Beruf und dem Bereich Beziehungen, vor allem aber im Bereich Selbst absolut weiterempfehlen!

Deine Meinung zum Buch "Selbstbetrachtungen" von Mark Aurel

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Hinweise zur Buch-Review "Selbstbetrachtungen" von Mark Aurel:

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