Buch-Review: Tao te king - Laotse

Meine Buch-Review zu: Tao te king von Laotse!

Der chinesische Philosoph Laotse gilt als Begründer des Taoismus bzw. Daoismus – der Lehre des Weges. Bei dieser chinesischen Philosophie geht es vor allem darum, die eigene Lebensenergie (Qi) mit dem Weg des Seins (Tao) in Einklang zu bringen. Genau diese Lebens- aber auch Herrschaftsweise predigte Laotse, der auch Laozi, Lao-Tse, Lao-tzu oder Laudse geschrieben werden kann.

Doch trotz seines großen Einflusses auf seine Mitmenschen und die chinesische Kultur, gibt es nur wenige eindeutige biografische Überlieferungen zu Laotse. Laut einigen Quellen soll er im 4. Jahrhundert v. Chr. und laut anderen Quellen eher im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben. Zudem soll er lange als Reichsarchivar der Zhou-Dynastie gearbeitet haben, ehe er sich mit zunehmendem Alter in die Einsamkeit zurückzog.

Der Legende nach fordert ein Gelehrter der Zhou den alten Meister – wofür der ihm verliehene Name steht (Lao = alt, ehrwürdig + Tse = Meister, Philosoph) – zuvor allerdings auf, sein Wissen zu teilen. Daher schrieb Laotse seine Lehren auf. Diese Sammlung der Lehren des Laotse wurden später als „Daodejing“, „Tao te ching“ oder auch „Tao te king“ bekannt und enthalten seine humanistische Staatslehre mit dem Ziel der Beendigung von Armut und Gewalt sowie der Etablierung von Demut und Frieden.

Damit die Weisheitslehre von Laotse als das bedeutendste literarische Zeugnis des alten China und ist auch als „Buch vom Sinn und Leben“ oder als „Buch von Weg und Tugend“ weltweit bekannt. Auch beschäftigen sich noch viele Menschen mit Laotse und seinen Lehren, weshalb das Buch „Tao te king“ Anfang 2022 im Anaconda Verlag auch erst wieder neu aufgelegt wurde.

Inhalt: Weisheiten & Ratschläge an Könige, Fürsten und alle Menschen, die nach Erfüllung & Frieden streben

Das Buch „Tao te king“ von Laotse trägt den Untertitel „Das Buch des alten Meisters vom Sinn und Leben“. In den 81 kurzen Spruchreimen auf fast 100 Seiten spricht der chinesische Philosoph dabei auch immer wieder vom Sinn, mit dem jedoch nicht der Sinn des Lebens gemeint, wie Du ihn vermutlich verstehst. Denn in den, sich an die 100 Seiten anschließenden, Erklärungen von Richard Wilhelm wird klar, dass der Sinn als „die Summe der von den alten Königen überlieferten Lehren zur Leitung des Volkes“ verstanden werden muss.

Dies wird vielleicht an einem Beispiel deutlich. So schreibt Laotse: „Ist der Sinn abhanden, dann das Leben.“ Darunter würdest Du vielleicht zunächst verstehen, dass mit dem Verlust des Lebenssinns auch ein Verlust des Lebens selbst einhergeht. Doch vielmehr bedeutet es, dass durch einen Verlust der alten Lehren und Werte im Volk das gute Leben verloren ist. Ähnliche Missverständnisse, können sich auch bei einigen anderen Begrifflichkeiten ergeben, weshalb die Erklärungen, die sich auf rund 50 Seiten verteilen und an die 100 Seiten der Spruchreime anschließen, durchaus ihre Berechtigung haben.

Wahre Worte sind nicht schön, schöne Worte sind nicht wahr.“ – Laotse

Richard Wilhelm, der die Originaltexte von „Tao te king“ von Laotse auch aus dem Chinesischen übersetzt hat, schreibt in den Erklärungen dazu außerdem: „Man merkt das auch sonst seinen Äußerungen an, dass er mehr gedacht hat, als er in Worte zu pressen vermochte; eine Schwierigkeit übrigens, die schließlich jedem Versuch, originale Gedanken mit den fertigen Mitteln der Sprache auszudrücken, anhaftet.“ Damit erkennst Du sicher schon, dass die Weisheiten von Laotse nur sehr selten glasklar und vollkommen eindeutig formuliert sind.

Auf der einen Seite verwendet der legendäre chinesische Philosoph immer wieder bestimmte Formeln in ähnlichen Zusammenhängen, wie „Also auch der Berufene“ oder „Darum tut er ab das Ferne und hält sich ans Nahe„, die sich mehr als zwei Dutzend Mal in den 81 Spruchreimen in „Tao te king“ finden lassen. Auf der anderen Seite scheinen einige Zeilen nicht zueinander zu passen oder lassen verschiedenste Deutungen und Interpretationen zu. Darauf weist auch Richard Wilhelm in seinen Erklärungen zu „Tao te king“ von Laotse, die nur selten auch Interpretationen sind, immer wieder hin. 

Ich habe drei Schätze, die ich schätze und hüte: Der eine ist die Liebe, der zweite ist die Genügsamkeit, der dritte ist die Demut.“ – Laotse

Grundsätzlich ist „Tao te king“ von Laotse in zwei Teile gegliedert. Doch sowohl im ersten Teil „Der Sinn“ als auch im zweiten Teil „Das Leben“ finden sich viele Grundsätze des Laozi, die mich direkt an andere Bücher aus dem Anaconda Verlag erinnert haben. So gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen seiner Genügsamkeit und der, die Epikur in „Von der Lust zu Leben“ predigt sowie auch der Liebe, die er anspricht, mit der, die Khalil Gibran in „Der Prophet“ herausstellt. Zudem erinnert seine Demut und sein Fokus auf inneren Frieden sowie innere Ruhe an die Lehren von Seneca, die dieser in „Vom Seelenfrieden“ immer wieder erwähnt.

Doch während die drei erwähnten Bücher aus dem Anaconda Verlag sich in erster Linie direkt an den „normalen“ Bürger bzw. Menschen richten, zielen viele Lehren von Laotse in „Tao te king“ auf das Herrschen und Regieren ab. So ist dem alten Meister nicht nur Frieden im Inneren, sondern auch Frieden im Land bzw. der Welt äußerst wichtig. Daher spricht er sich immer wieder gegen Krieg und militärische Angriffe, aber auch gegen eine energische Regierung und einen zu aktiven Herrscher aus. Ähnliches ist auch im Buch „Die Kunst des Krieges“ von Sun Tsu zu beobachten, das ich auf meinem Blog ebenfalls besprochen habe.

Durch eine zurückhaltende, friedliche Regierung bleibt auch die unsichtbare Welt in Ruhe, während in Zeiten der Unruhe Zeichen und Wunder geschehen.“ – Laotse

Somit diente „Tao te king“ von Laotse den chinesischen Kaisern, Fürsten und Königen über viele Jahrhunderte als Weisheitssammlung, welche die Kultur des alten Chinas mit prägte. Daher wäre das Buch für Politiker oder Militärs sicherlich auch eine Empfehlung im Bereich Beruf. Da Du jedoch neben den Weisheiten und konkreten Ratschlägen an Könige und Fürsten auf den knapp 100 Seiten von „Tao te king“ auch zahlreiche Weisheiten für Dein eigenes Leben in Frieden und Demut findest, ist es für die meisten – und auch für mich – eher ein Buch aus dem Bereich Selbst. Das kannst Du hoffentlich auch anhand meiner Top 5 Learnings und Top 5 Handlungsaufforderungen erkennen.

Dabei machen es die teilweise zusammengefügten Zeilen und die begrenzten sprachlichen Möglichkeiten seiner Zeit Lesern und Leserinnen nicht gerade einfach, einen Großteil der Weisheiten von Laotse aus „Tao te king“ herauszulesen. Allerdings macht es das auch irgendwie besonders spannend, sich mit dem kleinen Büchlein auseinanderzusetzen, wobei die angefügten Erklärungen von Richard Wilhem teilweise beim Verstehen helfen können, sodass sich das Lesen für Neugierige definitiv lohnt.

Meine 5 Learnings

  1. Wissen, dass man nichts weiß, ist das Höchste.
    • Nichtwissen für Wissen achten, ist Leiden.
      • Nur wer an seinem Leiden leidet, wird frei von Leiden.
  2. Wer andere kennt, ist klug; wer sich selber kennt, ist weise.
    • Ohne aus der Tür zu gehen, kann man die Welt erkennen.
      • Je weiter einer hinausgeht, desto weniger wird sein Erkennen.
  3. Alle Dinge in der Welt entstehen im Sein und das Sein entsteht im Nichtsein.
    • Jenseits des Nennbaren liegt der Anfang der Welt.
  4. Das Leid ist es, von dem das Glück abhängt und das Glück ist es, auf das das Leid lauert.
  5. Die Wesen werden entweder durch Verringerung vermehrt, oder durch Vermehrung verringert.
    • Denn was die Menschen hassen, ist Verlassenheit, Einsamkeit und Wenigkeit; und doch wählen Fürsten und Könige sie zu ihrer Selbstbezeichnung.

Meine 5 Handlungsaufforderungen

  1. Tue ab das Ferne und halte Dich ans Nahe!
  2. Wirke stets auf das, was noch nicht da ist!
    • Denn was noch nicht in Verwirrung ist, kannst Du leicht ordnen, was noch in Ruhe ist, kannst Du leicht behandeln, was noch unentschieden ist, kannst Du leicht bedenken und was noch winzig ist, kannst Du leicht zerstreuen!
      • Bedenke dabei stets das bekannte Zitat von Laotse: „Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt.“!
  3. Bedenke von Vorneherein Schwierigkeiten, sodass Du von keinen Schwierigkeiten überrascht wirst!
    • Denn wer vieles leicht nimmt, findet stets viele Schwierigkeiten!
    • Nimm außerdem das Ende stets ebenso in Acht wie den Anfang; sodass es keine verdorbenen Sachen gibt!
  4. Übe Dich im Nichthandeln, beschäftige Dich mit Beschäftigungslosigkeit, finde Geschmack an dem, was nicht schmeckt; und Du wirst das Große im Kleinen und das Viele im Wenigen sehen!
  5. Mache es Dir zum Grundsatz, nicht zu streiten; denn dann kann niemand auf der Welt mit Dir streiten!
    • Vermeide Streit gänzlich, da bei jedem Streit, auch wenn er geschlichtet ist, doch noch eine Missstimmung bleibt, die innere Unruhe verursacht und Deinen inneren Frieden stört!
      • Kenne dazu nur Deine Pflichten und nimm Deine Rechte nicht in Anspruch!

Fazit: Impulse für ein friedvolles Leben

Mit seiner Spruchsammlung „Tao te king“ hat Laotse die Kultur des alten Chinas entscheidend mitgeprägt. Dies liegt vor allem daran, dass er sich in den 81 Spruchreimen sowohl an Könige und Fürsten sowie auch an alle Bürger und einfache Menschen richtet. Für jeden hat er passende Weisheiten und Ratschläge parat, die sich in erster Linie an seinen drei wesentlichen Grundsätzen Liebe, Genügsamkeit und Demut, aber auch dem inneren sowie weltlichen Frieden orientieren.

Trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – der nicht immer klar zu verstehenden Botschaften, war es für mich überaus spannend, sich mit dem Buch „Tao te king“ von Laotse auseinanderzusetzen. Gerade für neugierige Leser und Leserinnen, die sich für Weisheiten aus anderen Kulturen und Zeiten interessieren, wird hier also viel geboten. – Daher kann ich das Buch vor allem im Bereich Selbst definitiv empfehlen!

Deine Meinung zum Buch "Tao te king" von Laotse

Kanntest Du „Tao te king“ bereits? – Wie ist Deine Meinung zu dem Buch von Laotse?

Hinweise zur Buch-Review "Tao te king" von Laotse:

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