Buch-Review: Massenpsychologie und Ich-Analyse - Sigmund Freud

Meine Buch-Review zu: Massenpsychologie und Ich-Analyse von Sigmund Freud!

Autor: Sigmund Freud

Der österreichische Arzt, Psychologe und Neurologe Sigmund Freud ist vor allem als Begründer der theoretischen sowie der praktischen Psychoanalyse bekannt. Diese schuf er vor allem mit seiner Theorie über das Unterbewusste und die Verdrängung sowie des Ödipus-Komplexes.

Damit gilt nicht nur als einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts, sondern wird noch heute von vielen gefeiert und kritisiert. Dies gilt sowohl für seine Theorien als auch für seine therapeutischen Methoden, die auch 2022 weltweit noch von vielen angewendet und von ebenso vielen diskutiert oder abgelehnt werden.

Eines seiner bekanntesten Bücher ist „Die Traumdeutung„, in welchem er erstmals eine Verbindung zwischen Träumen und persönlicher Lebensgeschichte herstellte. Doch auch viele andere Werke von Sigmund Freud erreichten weltweite Bekanntheit. So gibt es die Hauptwerke von Sigmund Freud beispielsweise als „3 Bände im Schuber„, welche auch heute noch stark nachgefragt werden.

Eines dieser Hauptwerke ist auch das Buch „Massenpsychologie und Ich-Analyse„, welches Anfang 2022 im Anaconda Verlag neu aufgelegt wurde und in dieser Buch-Review vorgestellt wird. Darin vermittelt er die zentralen Ansätze seiner Theorien und Erkenntnisse, um vor allem Massenphänomene in verschiedensten Bereichen zu verstehen.

Inhalt: Wissenschaftliche & philosophische Erklärungen zur Massenpsychologie und Ich-Analyse

Auch wenn das Buch „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ von Sigmund Freud schon Jahrzehnte alt ist, sind die Inhalte des kurzen Buches immer noch aktuell und aussagekräftig. Auf etwa 120 Seiten widmet sich der österreichische Autor auf wissenschaftliche Art und Weise der Psychologie der Massen.

Dabei ist es spannend zu beobachten, dass Sigmund Freud im Vergleich zu heutigen wissenschaftlichen Texten zwar weniger Quellen nutzt, diese allerdings ähnlich abarbeitet wie es noch heute üblich ist. Denn zu Beginn des Buches legt er mit einer kurzen Einleitung und Erklärung den Grundstein dafür, warum er sich dem Thema „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ widmet.

Im Anschluss daran geht er im zweiten Kapitel vor allem auf die Schilderungen des bekannten französischen Mediziners, Soziologen und Psychologen Gustave Le Bon ein. Dieser beschreibt in seinem 1895 erschienenen und heute noch weltweit bekannten Buch „Psychologie der Massen“ seine Theorien für Massenphänomene.

Es gibt Ideen und Gefühle, die nur bei den zur Massen verbundenen Individuen auftreten oder sich in Handlungen umsetzen.“ – Sigmund Freud

Siegmund Freud stimmt mit Gustave Le Bon überein, dass Massenindividuen neue Eigenschaften zeigen, die sie vorher nicht besessen haben. Die Gründe dafür liegen laut Gustave Le Bon in einem Gefühl unüberwindlicher Macht sowie der Ansteckung und der Suggestibilität durch die Masse oder den Führer der Masse.

Die Hauptmerkmale von Menschen in einer Masse sind neben dem Schwund der bewussten Persönlichkeit sowie die Vorherrschaft der unbewussten Persönlichkeit auch die Orientierung der Gedanken und Gefühle in derselben Richtung durch Suggestion und Ansteckung sowie die Tendenz zur unverzüglichen Verwirklichung der suggerierten Ideen.

Folglich schildern Gustave Le Bon und Sigmund Freud in „Massenpsychologie und Ich-Analyse“, dass das Individuum in einer Masse nicht mehr es selbst, sondern eine Art willenloser Automat ist. Da Gustave Le Bon allerdings stark durch revolutionäre Massen, wie die der Französischen Revolution beeinflusst wurde, widmet sich Sigmund Freud in seinem Buch „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ auch weiteren Quellen.

Je stärker die Gemeinsamkeiten sind, desto leichter bildet sich aus den Einzelnen eine psychologische Masse und desto auffälliger äußern sich die Kundgebungen einer Massenseele.“ – Sigmund Freud

Eine dieser weiteren Quellen ist der englisch-amerikanische Psychologe William McDougall. Dieser beschreibt in seinem Buch „The Group Mind“ fünf Bedingungen, um das seelische Leben der Masse auf ein höheres Niveau zu heben oder die Herabsetzung zu verhindern. Eine dieser Bedingungen findest Du bspw. auch weiter unten in den Learnings zum Buch „Massenpsychologie und Ich-Analyse“.

Die dritte häufig erwähnte und damit letzte wesentliche Quelle von Sigmund Freud ist der britische Chirurg und Neurologe Wilfred Trotter. Dieser leitet in seinem Buch „Instincts of the Herd in Peace and War“ die an der Masse beschriebenen seelischen Phänomene von einem Herdeninstinkt ab.

Diese Erklärung wiederum nutzt Sigmund Freud in „Massenpsychologie und Ich-Analyse“, um daraus einen Hordeninsinkt zu formulieren. Dabei unterscheidet sich die Horde durch einen Anführer oder bzw. einen Führer der Masse von einer Herde, die ohne einen Führer existieren kann.

In einer Reihe von Fällen ist die Verliebtheit nichts anderes als Objektbesetzung vonseiten der Sexualtriebe zum Zweck direkter Selbstbefriedigung, die auch mit der Erreichung des Ziels erlischt.“ – Sigmund Freud

Neben diesen Quellen und Erläuterungen aus dem Bereich der Massenpsychologie bringt Sigmund Freud in seinem Buch „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ allerdings auch immer wieder Aspekte aus der Individualpsychologie unter. Daher wird das Buch dem Titel definitiv gerecht, wobei der Autor sowohl zu Beginn wie auch im Laufe des Buches erklärt, dass Massen- und Individualpsychologie niemals komplett losgelöst voneinander betrachtet werden dürfen.

Obwohl das Buch „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ lediglich 120 Seiten stark ist, enthält es unzählige spannende (geistes-)wissenschaftliche Erklärungsversuche und inspirierende Denkanstöße, die sowohl Massenphänomene erklären wie auch andere Themen aus dem Bereich Beziehungen aufgreifen. Zudem geht Sigmund Freud wie bereits betont immer wieder auch auf den Einzelnen sowie den Bereich Selbst ein.

Dabei ist die Sprache und die Wortwahl von Sigmund Freud in seinem Buch „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ größtenteils so, dass man die Inhalte gut verstehen kann. Die Länge vieler Sätze und die Tiefe der Inhalte sorgen jedoch dafür, dass man sich genügend Zeit nehmen und sich wirklich mit dem Buch auseinandersetzen muss. Diese Leseerfahrung deckt sich mit einige anderen älteren Büchern aus dem Anaconda Verlag, die ich bisher gelesen und auf diesem Blog auch bereits besprochen habe.

Die Kapitel von "Massenpsychologie und Ich-Analyse" von Sigmund Freud im Überblick:

Damit Du Dir einen möglichst guten Überblick über die einzelnen Themen vom Buch „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ von Sigmund Freud machen kannst, habe ich Dir die einzelnen Kapitel an dieser Stelle einmal übersichtlich aufgelistet:

  • 1. Kapitel: Einleitung
  • 2. Kapitel: Le Bons Schilderung der Massenseele
  • 3. Kapitel: Andere Würdigungen des kollektiven Seelenlebens
  • 4. Kapitel: Suggestion und Libido
  • 5. Kapitel: Zwei künstliche Massen: Kirche und Heer
  • 6. Kapitel: Weitere Aufgaben und Arbeitsrichtungen
  • 7. Kapitel: Die Identifizierung
  • 8. Kapitel: Verliebtheit und Hypnose
  • 9. Kapitel: Der Herdentrieb
  • 10. Kapitel: Die Masse und die Unhorde
  • 11: Kapitel: Eine Stufe im Ich
  • 12. Kapitel: Nachträge

Meine 5 Learnings

  1. Im Seelenleben des Einzelnen kommt ganz regelmäßig der andere als Vorbild, als Objekt, als Helfer und als Gegner in Betracht.
    • Daher kann man die Individualpsychologie niemals ganz losgelöst von der Massenpsychologie betrachten.
  2. Hinter den eingestandenen Motiven Deiner Handlungen gibt es zweifellos die geheimen Gründe, die Du nicht eingestehst; doch hinter diesen liegen aber noch geheimere, die Du nicht einmal kennst.
    • Die Mehrzahl Deiner alltäglichen Handlungen ist nur die Wirkung verborgener, Dir entgehender Motive.
  3. Massenbindungen zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie eine große Liebe für alle, die sie umfasst haben; zugleich aber auch große Intoleranz und Radikalität gegenüber Außenstehenden zeigen.
  4. Jeder Einzelne ist ein Bestandteil von vielen Massen, durch Identifizierung vielseitig gebunden und hat sein Ichideal nach verschiedensten Vorbildern aufgebaut.
    • Jeder Einzelne hat also einen Anteil an vielen Massenseelen, an der seiner Rasse, des Standes, der Glaubensgemeinschaft, der Staatlichkeit usw., und kann sich darüber hinaus zu einem Stückchen Selbständigkeit und Originalität erheben.
  5. Während die intellektuelle Leistung der Masse immer tief unter der des Einzelnen steht, kann ihr ethisches Verhalten dieses Niveau ebenso hoch überragen, wie tief darunter herabgehen.
    • Die meisten Massen zeigen ein unverkennbares Bild von Regression der seelischen Tätigkeit auf eine frühere Stufe, wie wir sie eigentlich nur von Tieren oder Kleinkindern kennen.
      • Eine solche Regressionen gehört insbesondere zum Wesen der gemeinen Masse, während sie bei hoch organisierten, künstlichen Massen nur minimal oder selten vorkommt.
        • Gegen die kollektive Herabsetzung der Intelligenzleistung schützt man sich dadurch, dass man die Lösung der intellektuellen Aufgaben der Masse entzieht und sie einzelnen in ihr vorbehält.
      • Da der Urmensch in jedem einzelnen von uns enthalten ist, so kann sich aus einem beliebigen Menschenhaufen die Urhorde wiederherstellen; soweit die Massenbildung die Menschen habituell beherrscht.

Meine 5 Handlungsaufforderungen

  1. Da die Masse selbst zu allen Extremen geneigt ist und nur durch übermäßige Reize erregt wird, brauchst Du, wenn Du auf die Masse wirken willst, keine logischen Abmessung Deiner Argumente, sondern Du musst in den kräftigsten Bildern malen, übertreiben und immer das gleiche wiederholen!
  2. Sei vorsichtig, wenn Du dauerhaft oder auch nur vorübergehend Teil einer Masse wirst und versuche dabei besonders bewusst, kritisch und reflektiert zu sein, bevor Du Dinge tust, die Du später vielleicht bereust!
  3. Versuche die inneren und oftmals schwer zu überwindenden Abneigungen gegenüber anderen Menschen oder Gruppen, die Differenzen zu Dir oder Deinen Gruppen aufweisen, abzubauen!
  4. Mache Dir bewusst, dass das bloße Vorkommen oder Kommunizieren einer von Dir abweichenden Erfahrung oder Ansicht nicht immer direkt eine Kritik ist und nur selten die Aufforderung, Deine Ansicht zu verändern, beinhaltet!
  5. Lerne Dich selbst zu lieben und merke Dir, dass kein Mensch vollkommen ist, wenn Du eine glückliche Beziehung führen möchtest!
    • Belaste oder zerstöre Deine Beziehung niemals dadurch, dass Du Deinen Partner idealisierst oder dazu nutzen möchtest, Dein eigenes, nicht erreichtes Ichideal zu ersetzen!

Fazit: Denkanstöße, um Massen & sich selbst besser verstehen zu können

Obwohl „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ von Sigmund Freud ein inhaltlich durchaus anspruchsvolles Buch ist, so kann es dennoch Spaß machen, sich mit den Themen und Theorien sowie Erkenntnissen aus der Individual- und Massenpsychologie zu beschäftigen. Obwohl das Buch aus dem Anaconda Verlag zunächst sehr theoretisch und philosophisch daherkommt, ist es dennoch wissenschaftlich und enthält viele wertvolle sowie verwendbare Impulse, wie meine Learnings und Handlungsaufforderungen hoffentlich gezeigt haben.

Somit liefert das Buch „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ von Sigmund Freud wirklich viele tolle Erkenntnisse und hilft dabei sich selbst, andere Menschen und natürlich auch Massenphänomene – wie alltägliche Massen, aber auch Proteste, Aufstände und Fanbewegungen – besser zu verstehen. – Daher kann ich das Buch vor allem im Bereich Beziehungen, aber auch im Bereich Selbst definitiv weiterempfehlen!

Deine Meinung zum Buch "Massenpsychologie und Ich-Analyse" von Sigmund Freud

Kanntest Du „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ bereits? – Wie ist Deine Meinung zu dem Buch von Sigmund Freud?

Hinweise zur Buch-Review "Massenpsychologie und Ich-Analyse" von Sigmund Freud:

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