Buch-Review: Liebeskunst - Ovid

Meine Buch-Review zu: Liebeskunst von Ovid!

Der römische Dichter Ovid – oder Publius Ovidius Naso, wie er mit vollem Namen hieß – war einer von drei großen Poeten der klassischen Epoche. Er selbst wuchs in einer wohlhabenden Adelsfamilie auf und wurde von seinem Vater auf eine Karriere als Politiker und Anwalt vorbereitet. Daher studierte er Rhetorik in Rom sowie Athen und besuchte auch andere Städte des römischen Reichs.

Nach seiner Ausbildung war er sowohl am Zivilgericht als auch in der Politik aktiv und erreichte somit schnell die untersten Stufen der senatorischen Ämterlaufbahn. Kurze Zeit später wandte er sich allerdings von dieser ab und fokussierte sich fortan nur noch auf die Dichtkunst, die er bereits in seiner Ausbildung für sich entdeckt hatte.

Auch wenn die Werke von Ovid vor allem nach seinem Tod viel Beachtung fanden, war das Buch „Amores„, also seine Sammlung von Liebesgedichten, die er 15 v. Chr. veröffentlichte, bereits zu seinen Lebzeiten ein großer Erfolg. Einige Jahre darauf, etwa 1 v. Chr., folgte das Buch „Ars amatoria“ und zwischen 1 bis 8 n. Chr. publizierte Ovid sein heute wohl bekanntestes Buch „Metamorphosen„, von sich unter anderem William Shakespeare inspirieren ließ.

Sein Buch „Ars amatoria“ hatte jedoch vermutlich den größten Einfluss auf das Leben von Ovid. Denn wegen der Inhalte, die manche als versteckten Angriff auf die römische Staatsethik verstanden, wurde er 8 . Chr. von Kaiser Augustus nach Tomis am Schwarzen Meer verbannt, wo er wohl 17 n. Chr. starb. Dieses Buch, das auf Deutsch unter dem Namen „Liebeskunst“ bekannt ist, wurde Mitte 2021 im Anaconda Verlag neu aufgelegt und wird in dieser Buch-Review besprochen.

Inhalt: Praktische Tipps für den Bereich Beziehungen & interessante Einblicke zum antiken Rollenbild

Das Buch „Liebeskunst“ von Ovid wurde aus dem lateinischen Original „Ars amatoria“ von Heinrich Lindemann übersetzt. Da es sich bei dem Werk um ei Lehrgedicht handelt, ist „Liebeskunst“ keinesfalls ein klassischen Lesebuch. Es entsteht also nur selten ein richtiger Lesefluss und einige Stellen sind aufgrund des Satzbaus nur schwer zu verstehen, wie es auch bei einigen anderen älteren Büchern aus dem Anaconda Verlag – wie zum Beispiel bei „Der Prophet“ von Khalil Gibran oder „Tao te king“ von Laotse – der Fall ist.

Während die beiden erwähnten Bücher allerdings rein in Gedichtform gehalten sind, ist das Buch „Liebeskunst“ von Ovid zwar in drei Teile/Bücher gegliedert, jedoch ansonsten in einem Stück geschrieben, sodass die Gedichtform zunächst nicht wirklich zu erkennen ist. Außerdem unterscheidet die Bücher natürlich auch das Thema, da Ovids „Ars amatoria“ ganz klar und eigentlich ausschließlich dem Lebensbereich Beziehungen gewidmet ist.

Überall waltet das Glück. Wirf aus nur immer die Angel: Wo Du am wenigsten denkst, steckt in der Tiefe der Fisch.“ – Ovid

So beschreibt Ovid auf etwas mehr als 100 Seiten nicht nur, wie Du einen Partner oder eine Partnerin findest, sondern auch, wie Du ihn oder sie dauerhaft für Dich gewinnst. Er selbst beschreibt das im ersten Teil vom Buch „Liebeskunst“ wie folgt: „Erstens trachte danach, was lieben Du möchtest, zu finden, der Du zum ersten Mal Waffen als Neuling ergreifst. – Nächstes Bestreben dann ist, die fallen Dir hat, zu erbitten. – Drittens, dass lange Zeit habe die Liebe Bestand.

Obwohl es naheliegend mag, dass diese drei Schritte oder Phasen sich auch in den drei Teilen vom Buch „Liebeskunst“ von Ovid wiederfinden, ist dem nicht so. Denn im ersten Teil beschreibt der römische Dichter, vor allem, wie Männer Frauen beeindrucken und für sich gewinnen können. Im zweiten Teil geht er dann darauf ein, wie Männer es schaffen, dass die Liebesbeziehung eine lange Zeit hält und im dritten Teil richtet er sich dann nur an die Frauen und was diese tun können, um Männer zu beeindrucken und eine Liebesbeziehung aufzubauen.

Wenig ist, was da erfreut; mehr ist, was Liebende kränket.“ – Ovid

Dabei erkennt man immer wieder wesentliche Grundzüge des ungleichen Rollenbildes vor etwa 2.000 Jahren – und das, obwohl Ovid für das römische Reich in dieser Hinsicht schon sehr fortschrittlich dachte. Denn obwohl er Frauen viele Möglichkeiten – sogar bis zum Ehebruch – offenlegte, finden sich immer wieder auch Passagen, in denen klar wird, dass Frauen vor allem Männern gefallen sollten.

Damit erinnerte mich das Buch „Liebeskunst“ von Ovid immer wieder auch an den Beziehungs-Teil aus dem Buch „Die täglichen Gesetze des Erfolgs“ von Robert Greene. Denn beide Autoren teilen die Ansicht, dass es in Ordnung (und teilweise sogar das Beste) ist, sich für andere zu verstellen und diese absichtlich zu täuschen, da jeder Mensch das Mittel der Täuschung nutzt.

Ohne Gebrauch der Kunst gehet die Liebe zu Grab.“ – Ovid

So legt Ovid in seinem Buch „Liebeskunst“ letztlich sogar beiden Geschlechtern nahe, in erster Linie dem Partner oder der Partnerin zu gefallen. Allerdings teilt er auch einige moderne Ansichten und Weisheiten, welche die Wichtigkeit von Selbstliebe und Selbsterkenntnis, aber auch von geistiger Größe zeigen. Dies untermalt er immer – wie für einen Dichter üblich – wieder auch mit Metaphern und passenden Anekdoten aus der griechischen und römischen Mythologie.

Letztlich ist das Buch „Liebeskunst“ von Ovid also ein Beziehungsbuch oder eher ein Beziehungsratgeber, der sich zu zwei Drittel an Männer und zu einem Drittel an Frauen richtet. Auf etwa 100 Seiten sind dabei nicht nur einige längst überholte Ratschläge, sondern auch viele noch aktuelle Weisheiten und heute anwendbare Tipps für den Lebensbereich Beziehungen dabei.

Meine 5 Learnings

  1. Es gibt viele potenzielle Partner oder Partnerinnen; Du musst lediglich wissen, wo Du diese findest.
  2. Jeder Mensch gefällt sich selbst, weshalb sich auch jeder über ausgesprochene Lobpreisungen freut.
    • Daher kannst Du andere fast nicht genug loben, solange Du es nicht komplett übertreibst.
  3. Es ist durchaus in Ordnung bei Lobpreisungen anderer, hier und da ein wenig zu übertreiben, da das fast jeder tut.
    • Allerdings ist es dann auch besonders wichtig, dass Du nicht mit Deinem Gesichtsausdruck Deine Worte zerstörst.
      • Denn nur die verborgene Kunst nützt Dir; die entdeckte beschämt Dich und hebt für immer mit Recht das Vertrauen zu Dir auf.
  4. Schönheit ist vergänglich, und wie sie mit den Jahren zunimmt, nimmt sie auch ab, während Dein Geist Dir bis zu Deinem Tod bleibt.
    • Gleiches gilt für materiellen Besitz; denn auch dieser kann mit den Jahren steigen und wieder schwinden; während Dein Geist für immer Dein Besitz bleibt.
  5. Das Wichtigste ist es, sich selbst genau zu kennen; denn nur, wer sich selbst erkannt hat, wird lieben mit Weisheit und auch in anderen Lebensbereichen erfolgreich sein.
    • Daher solltest Du Dich selbst mit all Deinen natürlichen Stärken und Schwächen kennen, damit Du dies für Dich nutzen kannst.

Meine 5 Handlungsaufforderungen

  1. Achte auf Dein Äußeres und Dein Auftreten, wenn Du einen Partner oder eine Partnerin kennenlernen und beeindrucken möchtest!
    • Vermeide dabei Zorn sowie Traurigkeit und setze stattdessen auf Sanftmut, Fröhlichkeit und Humor!
  2. Gewinne das Herz einer Person stets zuerst ohne Geschenke, sondern mit Deinen Worten, Deiner Art und Deiner Persönlichkeit!
    • Später kannst Du Deinem Partner oder Deiner Partnerin auch kleine Geschenke machen; diese sollten allerdings nicht durch ihren materiellen Wert, sondern dadurch überzeugen, dass sie den persönlichen Geschmack der Person treffen und zu ihr passen!
      • Lerne die Künste des Wortes und übe Dich nicht nur im Sprechen, sondern vor allem auch im Schreiben, da geschriebene Worte oftmals mehr verzücken als gesprochene Worte!
  3. Mache Dir Deine Stärken und Talente zunutze und glänze vor anderen mit diesen, anstatt nur mit Deinem Äußeren zu glänzen!
  4. Lass Deinem Partner oder Deiner Partnerin Freiraum und maße Dir keinesfalls an, über die Zeit und das Verhalten Deines Partners oder Deiner Partnerin zu bestimmen!
  5. Pflege die Liebe und Deine Beziehung zu Deinem Partner oder Deiner Partnerin, sodass sie mit den Jahren nicht an Kraft verliert, sondern durch Zeit und Übung stärker wird!

Fazit: Antike Weisheiten im praktischen Ratgeber im Bereich Beziehungen

Das Buch „Liebeskunst“ von Ovid ist ein dreiteiliges Lehrgedicht, das praxisnah erklärt, wie Du einen Partner oder eine Partnerin kennenlernst, seine oder ihre Gunst gewinnst und diese dauerhaft erhältst. Nicht nur daran, dass sich zwei Drittel des Buches an Männer richten und nur ein Drittel an Frauen, erfährt man im Buch einiges über das antike Rollenbild.

Da Ovid allerdings für seine Zeit schon relativ fortschrittlich gedacht hat, beinhaltet das Buch „Liebeskunst“ neben einigen überholten Beziehungstipps auch viele Ratschläge für heutige Liebesbeziehungen und ebenso auch heute noch wertvolle Weisheiten.

Wie viele Bücher anderer Epochen aus dem Anaconda Verlag ist auch „Liebeskunst“ von Ovid nicht immer leicht zu lesen oder zu verstehen ist. Daher lohnt es sich vor allem für Menschen, die sich für andere Zeiten und Kulturen begeistern können. – Aus diesem Grund kann ich das Buch im Bereich Beziehungen für Interessierte wirklich empfehlen!

Deine Meinung zum Buch "Liebeskunst" von Ovid

Kanntest Du „Liebeskunst“ bereits? – Wie ist Deine Meinung zu dem Buch von Ovid?

Hinweise zur Buch-Review "Liebeskunst" von Ovid:

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