Buch-Review: Eine türkische Geschichte - Abdulvahap Cilhüseyin

Meine Buch-Review zu: Eine türkische Geschichte von Abdulvahap Cilhüseyin!

Autor: Abdulvahap Cilhüseyin

Der deutsche Bankkaufmann Abdulvahap Cilhüseyin wurde als Enkel der ersten Gastarbeitergeneration in Stuttgart geboren. Mittlerweile ist er seit über 20 Jahren verheiratet und arbeitet seit mehr 10 Jahren als Edelmetallspezialist bei der LBBW Bank in Stuttgart.

Darüber hinaus unterstützt er Schulabgänger und junge Menschen als Bewerbungshelfer. Abdulvahap Cilhüseyin wirkt außerdem an der Literaturgruppe „Daughters and Sons of Gastarbeiters“ mit, ist Teil einer Arbeitsgruppe von ‚Terre des hommes‚ in Stuttgart und hat die interkulturelle Laien-Theatergruppe „RÜYA“ gegründet. Für letztere hat er nicht nur einige Sketche über Alltagsrassismus geschrieben, sondern führt hier auch Regie.

Während der Pandemie hat Abdulvahap Cilhüseyin auch seine kindliche Leidenschaft für Wunschbäume wiederentdeckt. Für ihn ist dieser aus Anatolien stammende Brauch ein Symbol für Gesundheit, Leben und Liebe. Als Künstler verkauft er diese Draht- und Wunschbäume, die auf türkisch „Dilek Agaci“ heißen auch online im Kunstliebhaber Shop SanatSever.

Für seine Familie sowie in Liebe und Erinnerung an seine Großmutter Saliha Kartag hat Abdulvahap Cilhüseyin das Buch „Eine türkische Geschichte“ geschrieben und im Eigenverlag veröffentlicht. Darin erzählt er die Lebensgeschichte der türkischen Gastarbeiterin, die in den sechziger Jahren ihre Heimat verließ und sich ganz alleine auf den weiten Weg ins fremde Deutschland machte.

Die Erlöse aus dem Verkauf des Buches „Eine türkische Geschichte“ nutzt Abdulvahap Cilhüseyin, um den letzten Wunsch von Saliha Kartag zu erfüllen. So möchte der Autor im Heimatdarf seiner Großmutter in ihrem Namen einen Trinkbrunnen bauen.

Inhalt: Eine türkische Geschichte über eine der ersten Gastarbeiterinnen

Saliha Kartag wurde im Jahr 1932 geboren und wuchs in der Nähe der Stadt Sivas in Zentral-Anatolien auf, bevor sie mit 18 Jahren verheiratet wurde und mit ihrem Ehemann nach Sivas in die Stadt zog. Da dieser sie im Laufe der Zeit immer schlechter behandelte, neben ihr noch eine zweite Frau hatte und sie sowie ihre gemeinsamen Kinder hungern lies beschloss sie ihre drei Kinder in der Türkei bei ihrem Vater zu lassen, um als Gastarbeiterin nach Deutschland zu gehen.

Trotz des fehlenden Segens ihres Vaters und der großen Mühen, die diese Reise damals mit sich brachte, trat Saliha Kartag also den langen Weg mit der Bahn nach Deutschland an, da sie sich geschworen hatte, ihren Kindern ein besseres Leben und vor allem eine bessere Zukunft zu ermöglichen, als sie es hatte. – Das sie dies schaffte bestätigt nicht nur die weitere Geschichte, sondern auch der Autor von „Eine türkische Geschichte“. Denn Abdulvahap Cilhüseyin ist Saliha Kartags Enkel.

Ohne sie wäre ich Schuhputzer in Istanbul.“ – Abdulvahap Cilhüseyin

Als Saliha Kartag in Deutschland ankam machte sich ihr Fleiß und ihr Einsatz schnell bezahlt. Doch zugleich vermisste sie ihre Familie und vor allem ihre Kinder in der Türkei. Zudem hatte sie in Deutschland anfangs nicht nur mit Sprachbarrieren zu kämpfen, sondern musste sich auch immer wieder ausländerfeindliche Sprüche und Beleidigungen anhören.

Das Buch „Eine türkische Geschichte“ zeigt hier eindrucksvoll, mit welche Problemen Gastarbeiter damals sowohl in Deutschland als auch in ihrem Heimatland hatten. Denn auf der einen Seite hatten viele Deutsche Probleme mit den ausländischen Gastarbeitern, sodass sie diese respektlos behandelten; doch auf der anderen Seite wurden sie auch in ihrer Heimat teilweise verachtet, da sie ihr Land und ihre Familie verlassen hatten.

So erging es auch Saliha Kartag, die bei ihren Heimreisen nach Anatolien immer wieder beschimpft und verstoßen wurde. Doch trotz all dem verlor sie nicht ihren Mut und ihre Hoffnung. So schickte sie immer wieder Geld in die Türkei und unterstütze nicht nur ihre Familie, sondern auch andere Menschen in ihrer Heimat, da man nie vergessen sollte, wo man herkommt und wo die eigenen Wurzeln sind.

Kein Mensch bekommt Prüfungen im Leben, die er nicht bestehen kann.“ – Türkisches Sprichwort

Auf etwa 250 Seiten beschreibt Abdulvahap Cilhüseyin in „Eine türkische Geschichte“ viele Herausforderungen denen seine Großmutter Saliha Kartag im Laufe ihres Lebens ausgesetzt war. Zu der Gewalt sowie der Unterdrückung durch ihren Ehemann kamen noch große Sehnsucht nach Familie und Heimat sowie Streitigkeiten in der Familie und eine schwere Krankheit hinzu. Dabei gefällt mir besonders gut, dass der Autor Abdulvahap Cilhüseyin die Geschichte seiner Großmutter und seiner Familie wirklich ehrlich und keinesfalls beschönigt erzählt.

Anhand dieser ehrlichen Erzählweise bekommen Leser und Leserinnen von „Eine türkische Geschichte“ einen umfassenden Einblick in die damalige Zeit. Zudem lernt man sowohl Hoffnungen wie auch Ängste und viele andere emotionale Höhe- und Tiefpunkte aus dem Leben von Saliha Kartag kennen. Man merkt dabei, dass Abdulvahap Cilhüseyin hier eine persönliche Geschichte erzählt, die er mit Liedern, Gedichten und alten Fotos untermalt.

Aufgrund dieser facettenreichen, emotionalen und persönlichen Geschichte stört keiner der Fehler in Sachen Rechtschreibung oder Grammatik den Lesefluss, da man als Leser oder Leserin auf eine ganz besondere Kulturreise mitgenommen wird. Gerade für Menschen ohne Migrationshintergrund ist die Geschichte von Saliha Kartag sicherlich eine große Bereicherung und ermöglicht viele neue Perspektiven und Einblicke. Doch auch für alle anderen Menschen, die vielleicht ähnliche Geschichten aus der der eigenen Familie kennen, kann das Buch „Eine türkische Geschichte“ absolut lesenswert sein.

Fazit: Eine bewegende Lebensgeschichte

Das Buch „Eine türkische Geschichte“ von Abdulvahap Cilhüseyin ist eine persönliche Niederschrift eines wichtigen Teils der Familiengeschichte des Autors, die auch für andere Menschen mehr als interessant sein kann. Denn durch die vielen unterschiedlichen Situationen und Herausforderungen, denen sich Saliha Kartag stellen musste, erfahren wir als Leser und Leserinnen viel über die damalige Zeit und die Geschichte von Gastarbeitern in Deutschland.

So lernt man, dass viele Ehemänner ihre Frauen wie ihr Eigentum oder ihre Dienerinnen behandelten und gleichzeitig keinerlei Gefühle zeigen durften, da dies als Schwäche ausgelegt wurde. Außerdem bietet das Buch „Eine türkische Geschichte“ von Abdulvahap Cilhüseyin eindrucksvolle Einblicke in das damalige Denken und Leben der Menschen in der Türkei und in Deutschland vor einigen Jahrzehnten.

Für mich selbst waren die Schilderungen der Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht, nicht nur unterhaltsam, sondern eben auch sehr lehrreich. Denn um den Umgang mit anderen Menschen und Kulturen zu verbessern ist es wichtig, deren Geschichten und Vergangenheit kennenzulernen. – Daher kann ich das Buch vor allem im Bereich Beziehungen definitiv weiterempfehlen!

Deine Meinung zum Buch "Eine türkische Geschichte" von Abdulvahap Cilhüseyin

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Hinweise zur Buch-Review "Eine türkische Geschichte" von Abdulvahap Cilhüseyin:

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