Buch-Review: Der Ruf nach Frieden - Dietrich Bonhoeffer

Meine Buch-Review zu: Der Ruf nach Frieden von Dietrich Bonhoeffer!

Autor: Dietrich Bonhoeffer

Der deutsche Theologe Dietrich Bonhoeffer erlangte vor allem durch seine Haltung gegen das NS-Regime historische Bedeutung. 1906 in Breslau als das sechste von acht Kindern geboren, übersiedelte seine Familie mit ihm im Alter von sechs Jahren nach Berlin. Dort trat sein Vater eine Professur an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin an und wurde zudem Direktor der Klinik und Poliklinik für Nervenkrankheiten der Charité.

Dietrich Bonhoeffer selbst absolvierte ein Studium der Theologie und Philosophie, unter anderem in Tübingen und Berlin. Im Anschluss an seine Studienzeit erfolgte 1931 seine Ordination zum Pfarrer in Berlin. Nur zwei Jahre später, mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten, erfuhr Bonhoeffers Leben eine tiefgreifende Wende. Im Gegensatz zur Haltung vieler damaliger Protestanten blickte seine Familie mit großer Skepsis auf die neuen politischen Verhältnisse.

Frühzeitig engagierte sich Dietrich Bonhoeffer im Widerstand und stieg zu einer der prägenden Figuren der Bekennenden Kirche auf. Diese Bewegung trat entschieden der beabsichtigten Gleichschaltung von Lehre und Organisation der Deutschen Evangelischen Kirche entgegen. Darüber hinaus beteiligte er sich an einer Gruppe, die Attentate auf Adolf Hitler plante. Nach dem Scheitern dieser Pläne wurde Dietrich Bonhoeffer 1943 verhaftet und 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet.

Seine zahlreichen Schriften, Briefe und Werke, entstanden sowohl vor als auch während seiner Inhaftierung, sind bis heute erhalten geblieben. Einige seiner Publikationen erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, darunter der Sammelband „Widerstand und Ergebung: Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft“ und die umfassende Biografie „Dietrich Bonhoeffer 1906-1945“. Die anhaltende Beliebtheit und Wichtigkeit seiner Gedanken zeigt sich auch darin, dass der Anaconda Verlag in jüngster Zeit gleich zwei Werke herausgegeben hat: „Das erfüllte Leben“ im November 2023 und „Der Ruf nach Frieden“ im November 2025. Das letztgenannte Buch wird in dieser Buch-Review ausführlich vorgestellt.

Inhalt: Inspirierende Texte zum Leben und Wirken von und über Dietrich Bonhoeffer auf etwa 100 Seiten

Das Buch „Der Ruf nach Frieden“ von Dietrich Bonhoeffer ist ein etwas mehr als 100 Seiten starkes Buch, das laut Klappentext „mit Texten von und über Dietrich Bonhoeffer einen Einblick in dessen unermüdlichen und mutigen Einsatz für Frieden in einer Zeit der Gewalt und des Hasses“ gibt. Die Herausgeberin Mareike von Landsberg leitet das Buch aus dem Anaconda Verlag zudem unter anderem mit folgenden Worten ein:

Der vorliegende Band versammelt zum einen Texte Dietrich Bonhoeffers, die zentral sind für seine in den 1930er-Jahren entwickelte Friedensethik; zum anderen aber auch Briefe und andere Dokumente, die belegen, wie sehr er immer wieder mit sich selbst und der Kirche hadert: Lässt sich innerhalb der Kirche eine ausreichende Zahl Menschen versammeln, die bereit sind, ihm auf seinem Weg des gewaltlosen Widerstandes zu folgen? Und wenn nicht, ist Emigration die richtige Option?

Europa und Deutschland leiden an einem gefährlichen Fieber und verlieren gegenwärtig nicht nur die Selbstbeherrschung, sondern auch das Bewusstsein für das, was sie tun.“ – Dietrich Bonhoeffer

Weiter führt Mareike von Landsberg in der Einleitung zum Buch „Der Ruf nach Frieden“ von Dietrich Bonhoeffer aus: „Des Weiteren finden sich im letzten Teil des Buches Texte, die kurz vor und während Bonhoeffers Haft entstehen. Hier steht das Friedensthema nicht mehr im Vordergrund der Krieg ist in vollem Gange und Bonhoeffer erlebt die Bombardierung Berlins am eigenen Leib. Aber diese Texte zeigen in eindrucks-voller Weise, dass Bonhoeffer seinen Weg, der ihn vom aktiven, aber gewaltlosen Widerstand schließlich doch in eine militärische Konspiration gegen Hitler und deshalb ins Gefängnis führt, nicht bereut.

Sie schließt die Einleitung zum Buch „Der Ruf nach Frieden“ von Dietrich Bonhoeffer wie folgt ab: „Man spürt, dass hier zwar kein Held und Märtyrer schreibt; keiner, der seinen Feinden und der drohenden Hinrichtung angstfrei entgegentritt – aber es schreibt ein Mensch, der im Reinen mit sich ist. Weil er weiß, dass er, im Vertrauen auf Gott, sein Möglichstes getan hat, um Frieden zu stiften und dem Hass Einhalt zu gebieten. Hier schreibt ein Mensch, der über seine christliche Kirche hinausgegangen ist, über sie hinausgeglaubt und -gedacht hat, über sie hinauswirken wollte, als die Kirche selbst mit dem Bösen in Deutschland paktierte […].«

Ich werde kein Recht haben, an der Wiederherstellung des christlichen Lebens nach dem Kriege in Deutschland mitzuwirken, wenn ich die Prüfungen dieser Zeit nicht mit meinem Volk teile.“ – Dietrich Bonhoeffer

Auf die treffende, vierseitige Einleitung von Mareike von Landsberg schließen sich drei Seiten mit einer Übersicht zu den verwendeten Texten für das Buch „Der Ruf nach Frieden“ von Dietrich Bonhoeffer. Danach folgen die drei wesentlichen Inhaltsteile, die immer mit einigen, passenden einleitenden Erzählungen über Dietrich Bonhoeffer und einer zeitlichen Einordnung starten, bevor verschiedenste Schriftstücke von Dietrich Bonhoeffer selbst wiedergegeben werden.

Im ersten Teil „Das Wutgeheul der Weltmächte – Kann die Kirche Frieden stiften?“ erklärt Dietrich Bonhoeffer unter anderem, weshalb Frieden gewagt werden muss und das Gegenteil von Sicherheit ist. Zudem betont er immer wieder, wie beunruhigt er von den Entwicklungen in Deutschland und Europa ist. Im zweiten Teil „Aber der Weg muss durchgegangen werden – Widerstehen für den Frieden“ wird klar, dass Dietrich Bonhoeffer sich aktiv im Widerstand gegen des NS-Regime beteiligen möchte und nicht einfach nur zuschauen kann. Im dritten Teil „Nur aus dem Unmöglichen kann die Welt erneuert werden – Hoffnung im Angesicht des Krieges“ finden sich vor allem Texte aus seiner Zeit in Haft, in der er trotz der Umstände immer noch hoffnungsvoll war.

Nur aus dem Frieden zwischen zweien und dreien kann der große Friede einmal erwachsen, auf den wir hoffen.“ – Dietrich Bonhoeffer

Das Buch „Der Ruf nach Frieden“ von Dietrich Bonhoeffer schließt mit einer kurzen Zeittafel als Überblick über das Leben und Wirken von Dietrich Bonhoeffer sowie mit einem entsprechenden Literaturverzeichnis. Damit ist das Buch aus dem Anaconda Verlag ein wirklich großartiges Buch für alle Menschen, die sich mehr mit Dietrich Bonhoeffer sowie dessen Leben und Wirken auseinandersetzen wollen. Auch wenn es auf den etwas mehr als 100 Seiten auch viel um Gott, Jesus und den christlichen Glauben geht, eignet sich das Buch dennoch zweifelsfrei für Menschen unabhängig ihrer Konfession.

Denn ich bin davon überzeugt, dass viele Menschen eine ganze Menge von Dietrich Bonhoeffer lernen können: neben vielen anderen Dingen allen voran seine Dankbarkeit, seinen Optimismus, seine Opferbereitschaft und nicht zuletzt seinen Mut. – Wer das Buch „Der Ruf nach Frieden“ von Dietrich Bonhoeffer liest, wird vermutlich genau verstehen, was ich damit meine. (Auch das Buch „Das erfüllte Leben“ von Dietrich Bonhoeffer aus dem Anaconda Verlag habe ich übrigens bereits auf meinem Blog vorgestellt und kann ich ebenfalls empfehlen.)

Meine 5 Learnings

  1. Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit.
    • Denn Friede muss gewagt werden, ist das eine große Wagnis, und lässt sich nie und nimmer sichern.
      • Friede ist das Gegenteil von Sicherung: Sicherheiten fordern heißt Misstrauen haben, und dieses Misstrauen gebiert wiederum Krieg.
        • Sicherheiten suchen heißt sich selber schützen wollen.
  2. Die Tat entspringt der Verantwortungsbereitschaft, nicht dem Denken.
    • Die wahre Quelle der Tat ist nicht der Gedanke, sondern die Bereitschaft, die Verantwortung für das Handeln zu übernehmen.
  3. Der Mann der Pflicht ist im Angesicht des Bösen machtlos.
    • Die Beschränkung auf das Pflichtgemäße vermeidet das Wagnis der eigensten verantwortlichen Tat, die allein das Böse im Zentrum treffen kann.
      • Der Mann der Pflicht wird schließlich auch dem Teufel gegenüber seine Pflicht erfüllen müssen.
  4. Der Rückzug in die private Tugend ist Selbstbetrug.
    • Die Flucht vor der öffentlichen Auseinandersetzung in eine private Tugendhaftigkeit führt zu einer Scheinheiligkeit, da das Gewissen über das, was man unterlässt, niemals zur Ruhe kommt.
  5. Das Böse tarnt sich in ehrbaren und verführerischen Verkleidungen.
    • Die Entscheidungslagen des Gewissens sind so komplex, weil das Böse in unzähligen, ehrbaren Verkleidungen auftritt.
      • Wer allein auf sein Gewissen vertraut, kann es belügen, um nicht zu verzweifeln.

Meine 5 Handlungsaufforderungen

  1. Mache Dir bewusst, dass Du Dein Leben in unsicheren Zeiten nicht planen kannst und das Aufgebaute schnell zerstört werden kann!
  2. Siehe Prüfungen und Niederlagen als Bereicherung Deiner Erfahrung!
    • Nimm Dir Dietrich Bonhoeffer zum Vorbild, der selbst in Haft und Zeiten größter Dunkelheit die vergangenen Jahre seines Lebens nicht als verloren betrachtete, sondern als eine ununterbrochene Bereicherung seiner Erfahrung, für die er zutiefst dankbar war!
  3. Verstehe, dass tugendhafte Menschen andere Herausforderungen haben, die nicht jeder nachvollziehen kann!
    • Betrachte Dietrich Bonhoeffer als Beispiel, der in Haft nicht die eigene Not, sondern die Unmöglichkeit, anderen Menschen helfen zu können, als größtes Leid empfand!
  4. Sei bereit, Deine Prinzipien, Vernunft und Freiheit zu opfern!
    • Erkenne, dass Dein Gewissen, Deine Vernunft oder Deine Prinzipien nicht immer der letzte Maßstab sein müssen und es Zeiten gibt, in denen Du andere Wege gehen musst!
  5. Verlasse nicht das Schlachtfeld der Verantwortung, um unbefleckt zu bleiben!
    • Teile die Prüfungen Deiner Gemeinschaft, statt Sicherheit zu suchen!
      • Rufe Dir Dietrich Bonhoeffers Worte in Erinnerung, der sich selbst sagte, dass er kein Recht habe, an der Wiederherstellung des christlichen Lebens mitzuwirken, wenn er die Prüfungen der Zeit nicht mit seinem Volk teilt!

Fazit: Einblicke in das Denken, Leben und Wirken von Dietrich Bonhoeffer

„Der Ruf nach Frieden“ von Dietrich Bonhoeffer ist ein kompakter, rund 100 Seiten umfassender Band, der zentrale Texte des Theologen mit begleitenden historischen Einordnungen verbindet. Herausgeberin Mareike von Landsberg eröffnet das Buch mit einer kurzen Einführung, in der sie Bonhoeffers Ringen um eine christliche Friedensethik, seine Zweifel an der Haltung der Kirche und seine persönliche Haltung zum gewaltlosen Widerstand darstellt. Dabei wird deutlich, wie sehr Bonhoeffer zwischen Gewissensentscheidung, Verantwortung und den dramatischen Entwicklungen seiner Zeit stand.

Der Band ist in drei Hauptteile gegliedert, die Dietrich Bonhoeffers Weg vom frühen theologischen Nachdenken über den Frieden bis hin zu seinen Haftschriften nachzeichnen. Der erste Teil zeigt Dietrich Bonhoeffers Überzeugung, dass Frieden gewagt werden müsse und kein Produkt von Sicherheit sei. Der zweite Teil rückt seinen Schritt in den aktiven Widerstand gegen das NS-Regime in den Fokus. Der dritte Teil enthält Texte aus der Gefangenschaft, die trotz der ausweglosen Lage von Hoffnung, geistiger Klarheit und innerer Konsequenz geprägt sind.

Trotz der starken religiösen Bezüge bleibt das Werk für Menschen aller Konfessionen zugänglich, da Bonhoeffers Haltung – geprägt von Mut, Dankbarkeit, Verantwortungsbewusstsein und konsequentem Handeln – universelle Relevanz besitzt. „Der Ruf nach Frieden“ bietet ein authentisches Bild eines Menschen, der seinen Überzeugungen treu blieb und bereit war, hohe persönliche Opfer für Frieden und Menschlichkeit zu tragen. – Daher kann ich das Buch im Bereich Beruf und vor allem im Bereich Selbst absolut weiterempfehlen!

Deine Meinung zum Buch "Der Ruf nach Frieden!" von Dietrich Bonhoeffer!

Kanntest Du „Der Ruf nach Frieden“ bereits? – Wie ist Deine Meinung zu dem Buch von Dietrich Bonhoeffer!?

Hinweise zur Buch-Review "Der Ruf nach Frieden" von Dietrich Bonhoeffer!:

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